Wunderwelt aus Eis - Eine Segelexpedition in die Antarktis

Bildervortrag am Samstag, 27. Juni 2020 - 20 Uhr

"Wunderwelt aus Eis - Eine Segelexpedition in die Antarktis" - das ist der Titel des Filmvortrags im Rahmen des Kanu- & OutdoorTestivals.
Der Münchner Kanusportler Toni Grießbach hat dieses Mal sein Wildwasserkajak zu Hause gelassen und zeigt uns beeindruckende Bilder von seinem Segeltörn.

am Samstag, 27. Juni 2020, 20 Uhr
Regattaanlage Oberschleißheim, Regattabüro (Nähe Zielturm)

Der Eintritt ist frei - ein Sparschwein für freiwillige Spenden ist wie immer aufgestellt. Das Geld kommt den SOS-Kinderdörfern zugute.

Wunderwelt aus Eis - Eine Segelexpedition in die Antarktis

Wie es dazu kam;

Pinguine stehen am Ufer und blicken auf ein Segelschiff, das zwischen Eisbergen im Meer treibt: Dieses Bild habe ich schon viele Jahre im Kopf. Gibt es das denn überhaupt und wohin müsste man reisen, um dies zu sehen? Der Titel verrät es bereits: in die Antarktis. Klar, Sir Ernest Henry Shackleton hat das ja bereits 1914 mit seiner Endurance versucht.

In die Antarktis fährt man gewöhnlich mit großen Kreuzfahrtschiffen oder evtl. auch Eisbrechern. Meiner Neigung zu eher abenteuerlichen Urlauben entspricht diese Art zu reisen allerdings nicht. Ich bevorzuge Einfachheit und schöne Natur statt Luxushotel und 10-Gänge Menü in Abendgarderobe. Somit bin ich noch nicht bereit für eine Kreuzfahrt (in die Antarktis). Es gibt ja auch noch andere interessante Ziele auf dieser Welt.

In der „Voyage Crew“

Eine Bekannte erzählte mir eines Tages von einem alten Segelschiff, das um die Welt segelt und das auch Gäste mitnimmt. Es handelt sich um die über 100 Jahre alte Bark „Europa“, einst für den Einsatz auf der Elbe gebaut und unter holländischer Flagge fahrend. Dies klingt erstmal nach genug Abenteuer.

Die Bark Europa nimmt ca. 40 Gäste an Bord. Gast heißt hier: Man ist in der „Voyage Crew”, eingeteilt in Vier-Stunden-Schichten, gefolgt von acht Stunden Pause bzw. Sechs-Stunden-Schichten tagsüber. Diese Schichteinteilung stellt sicher, dass auch jeder wiederholt in den meist unangenehmen Nachtschichten an Deck sein wird, aber auch dass jeder die Gelegenheit hat, Sonnenuntergänge und Sonnenaufgänge zu sehen − bei passendem Wetter wohlgemerkt. Im Südsommer segelt die Bark Europa auch in die Antarktis.

Abschreckende Erinnerungen

Ich war noch nie zuvor auf einem Segelschiff, und es sind mir durchaus manche Fährfahrten in nicht so guter Erinnerung. Eine fünftägige „Kreuzfahrt” im Rahmen einer chaotischen und absolut miserabel organisierten Allgäu-Orient-Rallye auf einer total überfüllten und für das offene Meer völlig ungeeigneten Fähre von der Türkei bis vor die Küste Ägyptens und wegen nicht erhaltener Landeerlaubnis wieder zurück, sollte Abschreckung genug gewesen sein. Mir war auf dieser Fahrt trotz rationiertem Essen und Trinken, eine Flasche Wasser am Tag und ein Schöpfer Reis, keine funktionierende Toilette und max. 1,5 m² Riffelblech als Liegefläche nicht wirklich gut.

Auch eine Ausflugsfahrt vor der Napali-Küste in Hawaii bei starkem Seegang erforderte meine volle Konzentration im Kampf gegen aufkommende Übelkeit. Die Schiffsfahrt vor Galapagos verbrachte ich die komplette erste Nacht auf der Toilette.

Ich buche.

Aber ich bin doch ein Wassersportler. In meinem kleinen Wildwasserkajak hatte ich bezüglich Übelkeit nie Probleme, auch nicht auf den riesigen Wellen des Colorado im Grand Canyon oder des Nujiang in Tibet. Nachdem auf der Homepage der Bark Europa zu lesen steht, dass man auch ohne Segelerfahrung an den Reisen teilnehmen kann, ist die Entscheidung schnell getroffen: Ich buche.

Dass die Segeltour in die Antarktis über die berüchtigte und gefährlichste Wasserstraße der Welt, die Drake Passage vorbei an Kap Hoorn führt, habe ich entweder überlesen oder verdrängt. Auch suggeriert man gerne, dass ein Sommerurlaub im Süden mit schönem Wetter verbunden ist. In der Antarktis muss dies nicht so sein.

Eineinhalb Jahre nach der Buchung war es dann soweit. Am 23. Dezember 2017 stachen wir in Ushuaia in Argentinien in See.

In meinem Vortrag berichte ich mit einem kleinen Teil meiner 12.000 auf dieser Reise entstandenen Fotos über eine Wunderwelt aus Eis. Geschichten früherer Entdecker und Berichte über aktuelle Erlebnisse sorgen für einen abwechslungsreichen, spannenden und kurzweiligen Vortrag.

Text + Fotos: Toni Grießbach